Eine Freundin erzählt mir von einem Problem und ich habe sofort den Impuls, helfen zu wollen und Lösungen anzubieten. Kennen Sie das? Der Kopf arbeitet direkt an Lösungen, die auch sofort rauswollen.
Aber! Ist das immer hilfreich? Weiß ich überhaupt, was die andere Person will? Was sie von mir jetzt gerade will? Meistens denke ich gar nicht darüber nach, denke gar nicht daran, will nur meine (tolle?!) Lösung sagen. Vielleicht aber will sie sich nur aussprechen, etwas loswerden. Vielleicht hat sie den Wunsch verstanden zu werden. Vielleicht will sie einen Austausch über das, was bei ihr los ist. Vielleicht eine gemeinsame Lösungsfindung. Und am Ende vielleicht auch einen Rat von mir.
Oft wissen wir das gar nicht – und wir fragen auch nicht.
Wie finden wir das selbst, wenn jemand ungebeten Ratschläge unterbreitet? Am besten noch nach dem Muster: „Du musst nur …“ oder „Du musst einfach …“ Selbst wenn wir sagen, was uns geholfen hat in einer ähnlichen Situation, kann das nicht immer angebracht sein oder sogar ganz schlecht ankommen.
Wir könnten fragen: „Was möchtest du von mir? Zuhören? Verstehen? Gedankenaustausch? Lösungsvorschläge? Hören, was ich in so einer Situation machen würde“.
Ich finde es für jegliche Beziehung sehr hilfreich, wenn man das im Vorfeld kurz anspricht. Seltsam, ungewohnt und dennoch hilfreich.
Wie fühlt sich das an, wenn man nur zuhört? Ist das leicht? Nein! Aber wohlwollend nur da zu sein, wenn die andere Person redet, kann – für beide Personen – eine tolle Erfahrung sein. Als ich meiner Freundin – nach Rücksprache – nur zugehört hatte, sagte sie: „Wow, wie toll, dass ich das einfach sagen konnte. Mehr brauche ich nicht. Danke!“
Was bedeutet verstehen wollen? Ich frage nach, ob ich das so richtig verstanden habe. Wiederhole vielleicht mit eigenen Worten, was die andere Person gesagt hat. Bis ich glaube, es wirklich verstanden zu haben. Sonst kann ich doch nicht wirklich etwas dazu sagen, oder? Natürlich kann ich das, weiß ich doch, aber das kann eben auch nach hinten losgehen.
Also fragte ich eine andere Person, bis ich es verstanden hatte. Sie sagte: „So hat mir noch nie jemand zugehört, glaube ich.“
Kann das nerven, wenn man alles nachfragt? Klar kann es das. Aber wir schauen die andere Person doch auch an, oder. Und da können wir viel beobachten: Ist sie noch interessiert? Ist sie schon genervt? Will sie noch weiterreden? Will sie was hören? All das können wir erkennen, wenn wir hinschauen. Und wenn nicht, können wir wieder fragen.
Das, was wir als Hilfe geben möchten, ist nicht immer das, was die andere Person als Hilfe haben möchte. Oft ist es tatsächlich sogar zuviel des Guten.
Was jedoch immer geht, ist zu fragen (vielleicht sogar, ob wir jetzt mal still sein sollten 😊). Fragen sind allemal besser als Aussagen, weil wir dadurch Interesse an der anderen Person signalisieren. Und das verbindet.
Gern kann man mit mir darüber diskutieren oder die Meinung mitteilen. Ich freue mich, wenn die Kommentarfunktion genutzt wird.
Eine kostenlose Coaching-Stunde zu diesem Thema (oder zu irgendeinem anderen) biete ich, wie immer, gern an. 😊