Hand hoch, wer schonmal vor lauter Gedanken nicht ein- oder durchschlafen konnte. Ja, meine geht auch hoch. Gerade gibt es in meinem Leben viel zu bedenken, zu organisieren, zu tun. So will ich demnächst umziehen und wie schon so oft, habe ich die mir selbst gestellte Aufgabe einen Newsletter zu schreiben, immer wieder vor mir hergeschoben. Und dann sind da noch einige weitere Kleinigkeiten. All das beschäftigt.
Die Nächte sind entsprechend kurz, weil halt alles immer wieder durch den Kopf geht, was noch nicht geklärt oder gelöst ist. Alles kommt mit einer unglaublichen Hartnäckigkeit immer wieder. Nervig, oder? Und es nützt nichts, zumindest mir, diese Gedanken immer wieder einfach nur ziehen zu lassen. Sie kommen wieder und sie nerven immer mehr. Das wirkt sich auf die Stimmung aus. Ich wälze mich herum und stöhne, Aufregung entsteht. Wie soll man da schlafen? Was uns im Weiteren vom Schlafen abhält, ist das Genervtsein, vielleicht der Ärger über mich selbst, die negativen Gefühle, die entstehen. Purer Stress. Wir sind erfolglos und hilflos unseren Gedanken ausgeliefert. Dann kommt vielleicht auch noch Angst dazu, Angst vor dem nächsten Tag, Angst vor der nächsten Nacht. Bis die Erschöpfung uns endlich übermannt.
Wie gesagt, hilft es (mir) nicht, die Gedanken nur vorüberziehen zu lassen oder Schäfchen zu zählen. Und was brauchen wir, wenn wir Angst haben oder verärgert sind? Sicherheit! Die geht uns im Laufe einer schlaflosen Nacht immer mehr verloren. Das Nervensystem reagiert auf Angst (= Stress) und schaltet um auf Kampf oder Flucht. Nur ist beides dann gerade nicht möglich. Wir sind in unserem eigenen Bett unseren eigenen Gedanken ausgeliefert. So fühlt es sich jedenfalls manchmal an.
Wie kann Sicherheit entstehen: durch Ordnung, durch Klarheit, durch Entlastung, durch korrigierende Erfahrungen. Dies kann ich erreichen – auch in der Nacht – indem ich meine Gedanken ordne. Wie soll das gehen? Gedanken kreisen immer um bestimmte Themen. Man ordne sie also einem Thema zu, z.B. Umzug und dann weise man ihnen imaginär einen Ort zu, z.B. „auf dem Schreibtisch bitte, ganz rechts“. Und wenn immer einer dieser Gedanken kommt, verweise ich ihn (ich weiß, das klingt witzig) an diesen Ort und mache noch eine Handbewegung in die entsprechende Richtung dazu. Und so klassifiziere ich alle ankommenden Gedanken und gebe ihnen einen Namen (Problem mit XY, was morgen einkaufen, wohin in den Urlaub, Auto in die Werkstatt usw.) und einen Ort.
Manche Gedanken kommen echt oft vorbei. Das ist schon spannend. So auch die Dinge, die ich auf keinen Fall vergessen darf. Das sind ja auch so Kandidaten, die wachhalten können. Nun bekommen sie einen Ort und bleiben dort so lange, bis ich Zeit habe, mich darum zu kümmern. Manchmal sage ich dann sogar: „Gute Nacht und bis morgen!“
Und manchmal passiert es, dass keine Gedanken mehr kommen. Huch! Diese Lücke will das Gehirn natürlich füllen, aber ich überlasse es ihm nicht. Ich will dann denken, was ich will – und sage mir mantra-artig immer wieder etwa Folgendes: „Ich bin in Sicherheit. Ich bin frei. Ich mag mich, auch wenn ich nicht schlafen kann.“ Es können natürlich auch ganz andere Sätze sein. Warum sage ich mir gerade diese? Weil die 3 zu unseren Hauptbedürfnisse gehören:
- Über Sicherheit haben wir schon gesprochen. Die haben wir nicht, wenn wir uns ausgeliefert fühlen. Wenn wir uns in Sicherheit fühlen, gibt es Ruhe in uns. Dann können andere Gedanken kommen und Angst oder Ärger können vergehen.
- Freiheit: Wie frei bin ich, wenn ich ausgeliefert bin?
- Und wie sehr mag ich mich, wenn ich nicht schlafen kann?
Jetzt kann man natürlich sagen – und ich höre es schon: Was für ein Aufwand! Da werde ich ja ganz wach von. Mag sein. Aber bin ich nicht vielleicht sowieso schon wach? Hm! Dann kann ich das Wachsein auch gestalten.
Das Wichtigste, was ich dabei erlebe, ist die Wirkung. Ich habe ab jetzt die Kontrolle über meine Gedanken und nicht sie über mich. Ich bestimme, was mit ihnen geschieht. Und am nächsten Morgen bin ich möglicherweise besser gelaunt, selbst wenn ich wenig Schlaf bekommen habe. Zumindest geht es mir so, denn ich habe aktiv sein können und war nicht ausgeliefert. Was für ein Unterschied das gefühlsmäßig ist! Und desweiteren habe ich als netten Nebeneffekt alle Aufgaben am Morgen schön geordnet auf meinem Schreibtisch liegen. 😊
Klingt spooky? Möglicherweise. Aber wie sagt man so schön: Hauptsache, es hilft. So wie vielleicht bei dem einen oder der anderen das Schäfchen zählen. 😊
In diesem Sinne wünsche ich interessiertes Ausprobieren. Könnte aber schon sein, dass man ein Weilchen braucht, bis es funktioniert, denn das Gehirn gewöhnt sich zwar an vieles, braucht dafür jedoch öftere Wiederholung. Ich werde jedenfalls dranbleiben, denn ich glaube fest, dass es meine Selbstwirksamkeit enorm steigern kann.
Gern kann man mit mir darüber diskutieren oder die Meinung mitteilen. Ich freue mich, wenn die Kommentarfunktion genutzt wird.
Eine kostenlose Coaching-Stunde zu diesem Thema (oder zu irgendeinem anderen) biete ich, wie immer, gern an. 😊