Klopfen mit PEP

Heute möchte ich mal über eine Methode schreiben, ein Werkzeug sozusagen, mit dem man seine Emotionen regulieren kann.

Vielleicht kennen Sie das: Plötzlich gibt es da eine Anspannung, eine Angst, man ist vielleicht ärgerlich oder traurig. Der Kopf dreht sich womöglich, der Bauch wird eng, die Schultern ziehen sich nach oben, beispielsweise vor einem wichtigen oder schwierigen Gespräch, einer Präsentation o.ä.

Dann kann es hilfreich sein, wenn ich mich ein bisschen runterreguliere. Damit ich (wieder) klar sehe und (wieder) in meine Kraft und meinen Verstand komme 😊 Denn wenn ich im (emotionalen) Stress bin, ist meine Fähigkeit zu denken und rational zu handeln eingeschränkt, weil das emotionale Gehirn übernimmt.

Und hier kommt PEP ins Spiel, die Prozess- und Embodimentfokussierte Psychologie. Sie ist von Dr. Michael Bohne, Psychiater und Arzt, entwickelt worden. Er holte sein Abitur im zweiten Bildungsweg nach, studierte Medizin und promovierte 1996 an der Universität Münster. Er ließ sich zum Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie ausbilden.

Er ist Begründer der (PEP), welche eine Weiterentwicklung der Emotional Freedom Techniques (EFT) aus dem Bereich der Energetischen Psychologie ist. Bohne arbeitet u.a. als Coach für Opernsänger und klassische Musiker, als Gastdozent an Musikhochschulen, als Trainer für Fernseh- und Radiomoderatoren von ARD und ZDF, als Coach für Unternehmen.

Was ist PEP?

PEP ist eine Methode, bei der man ein Gefühl nicht bekämpft, sondern eher freundlich anschaut. Man benennt, was da ist, und klopft dabei mit den Fingerspitzen auf bestimmte Punkte am Körper. PEP verbindet „Thema ansprechen und gleichzeitiges Körper aktivieren“, um emotionale Belastung schnell spürbar zu verändern.

Und so funktioniert es:

Zuerst frage ich mich: Was fühle ich gerade? Zum Beispiel: „Ich bin angespannt, weil da dieses Gesrpäch zu führen ist.“ Oder: „Ich habe Angst vor diesem Termin.“ Und vergebe einen Wert zwischen 1und 10 bzgl. der Gefühlsintensität.

Sodann schauen wir auf die Kernbedürfnisse, die wir alle haben: Selbstbeziehung, Sicherheit/Orientierung und Autonomie. Welches davon ist gerade bei diesem Thema berührt oder nicht ausreichend erfüllt oder wurde verletzt?

Dann sage ich einen Selbststärkungssatz, so bezeichnet es Michael Bohne, der das Gefühl anerkennt und mich zugleich nicht verurteilt, sondern eben stärkt:

„Auch wenn ich mich gerade ängstlich fühle, akzeptiere ich mich, so wie ich bin.“ (Selbstbeziehung)

Oder

„Auch wenn ich mich gerade ängstlich fühle, bleibe ich in Sicherheit und behalte ich den Überblick“. (Sicherheit/Orientierung)

Oder

„Auch wenn ich mich gerade ängstlich fühle, gehe ich meinen Weg und bestimme, was gut für mich ist“. (Autonomie)

Diesen Satz sagt man dreimal, während man mit den Fingern sanft auf die Handkante unter dem kleinen Finger klopft. Was nicht genau passt, wird anders formuliert. Vielleicht kann ich am Anfang nur sagen „beginne ich zu verstehen, dass es auch für mich gut sein könnte, mich zu akzeptieren, wie ich bin“. Hier ist ein bisschen (Selbst-)Einfühlungsvermögen gefragt.

Danach klopft man nacheinander mit zwei Fingern leicht auf die folgenden Punkte:

– auf dem Handrücken zwischen kleinem und Ringfinger

– an der Handkante

– auf dem ersten Fingerglied des kleinen Fingers

– auf dem ersten Fingerglied des Mittelfingers

– auf dem ersten Fingerglied des Zeigefingers

– auf dem ersten Fingerglied des Daumens

– zwischen den Augenbrauen

– über der Augenbraue 

– neben dem Auge

– unter dem Auge auf dem Jochbein

– unter der Nase, 

– zwischen Unterlippe und Kinn, 

– unter dem Schlüsselbein

– auf beiden Rippenbögen

– etwa eine Handbreit unter der Achsel

– auf dem Brustbein

An jedem Punkt klopft man etwa fünf- bis siebenmal und denkt oder sagt dabei kurz: „Dieses Gefühl“ oder „meine Anspannung“ oder „meine Angst“, benennt also, was da ist.

Danach macht man eine kurze Pause und fragt sich: Wie fühlt es sich jetzt an? Wo bin ich jetzt auf der Skala von 1-10? Manchmal ist das Gefühl kleiner. Manchmal ist es klarer. Beides ist in Ordnung.

Nach einer Zwischenentspannung kann man die Übung ruhig noch einmal machen, vor allem, wenn das Gefühl nicht weniger geworden ist.

Warum kann das helfen? Beim Klopfen achten wir bewusst auf unseren Körper. Wir sind nicht nur im Gedankenkreislauf, sondern spüren: Da ist ein Gefühl – und es darf da sein. Das kann beruhigen, ähnlich wie langsames Atmen oder eine Hand auf die Brust legen. Studien zum Klopfen deuten darauf hin, dass die Methode besonders bei Angst und Stress helfen kann; die Forschung ist aber noch nicht abschließend.

Nimmt das Gefühl nicht ab oder wird vielleicht sogar stärker, mag es daran liegen, dass, wie Dr. Bohne es bezeichnet, Lösungsblockaden vorliegen. Was ist das? Hier geht es darum, dass wir vielleicht

  • einen Selbstvorwurf in diesem Thema haben
  • jemand anderem einen Vorwurf machen (Fremdvorwurf)
  • dass wir uns plötzlich nicht mehr so alt vorkommen, wie wir sind, sondern jünger, kleiner
  • dass wir Erwartungen an jemanden haben
  • dass es Loyalitäten gibt, die uns hindern

Auch dafür hat Dr. Michael Bohne Werkzeuge gefunden, die sehr leicht anwendbar sind. Und das kann man selber machen oder auch mit Hilfe von jemand anderem.

Eine hilfreiche und leicht anwendbare Darstellung von PEP kann man hier finden: https://susannehofmeister.de/klopfen-mit-pep/

Wie bei so vielen Methoden ist auch hier Übung angesagt. Der Körper gewöhnt sich schnell daran. Er merkt: Hier kommt wieder was Gutes. Ich muss nur beginnen zu klopfen und schon fällt Spannung ab. 😊

Dadurch, dass wir diese Methode einfach und leicht selbst anwenden können, stärken wir unsere Selbstwirksamkeit.

Darüberhinaus kann mir PEP helfen, Muster in meinem Verhalten oder Denken zu entdecken, die mich vielleicht schwächen. Wofür ist es gut, das zu wissen oder zu erkennen?

Je besser ich mich selbst kenne, desto früher kann ich auch intervenieren, kann früher Nein sagen, mich zurückziehen oder auf jemanden zugehen, je nachdem welches Bedürfnis da ist.

Auch für Kinder, z.B. bei Schulstress ist das eine ganz prima Methode, sie zu regulieren und zu stärken.

Wichtig ist: Klopfen ist keine Wundermethode und ersetzt keine ärztliche oder psychotherapeutische Behandlung. Bei schweren oder lange anhaltenden Gefühlen ist professionelle Unterstützung wichtig. Aber als eine Alltagsübung kann uns Klopfen gute Dienste tun.

Ich stelle diese Methode am 19.11.2026 in einem 1-1,5stündigen Vortrag vor. Hier können Fragen dazu gestellt werden und wer will, kann das ein bisschen üben.

Hier ist die Möglichkeit, sich zur Teilnahme einzutragen. Abhängig von den eingegangenen Anmeldungen findet er um 19:00 Uhr oder um 20:00 Uhr statt:

https://nuudel.digitalcourage.de/7FOc24BbxdKohski

Auch an einem Präsenz-Seminar dazu kann man teilnehmen, an der VHS Duisburg, hier der Link:

https://www.volkshochschule.de/kursfinder.php?id=vhs-duisburg-klopfen-gegen-angst-und-co~05032262MZ1731

Gern kann man mit mir darüber diskutieren oder die Meinung mitteilen. Ich freue mich, wenn die Kommentarfunktion genutzt wird.

Eine kostenlose Coaching-Stunde zu diesem Thema (oder irgendeinem anderen) biete ich, wie immer, gern an. 😊

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